Boundary Work

Experimentalsysteme

Erfordert ist zuallererst, sich nicht auf einzelne Experimente zu kaprizieren, sondern bestimmte Experimentalanordnungen oder «Experimentalsysteme» als kleinste vollständige Arbeitseinheiten in den Blick zu fassen: Verkörperungen von bestimmten technischen Fertigkeiten, bereits vorausgesetztem Wissen, Vermutungen über zu produzierende Phänomene und die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen. Experimentalsysteme sind Materialisierungen von Fragen und als solche «Maschinen zur Herstellung von Zukunft» (François Jacob). Sie sind es aber nur deshalb, weil in ihnen gerade nicht über klar umrissene Alternativen entschieden, sondern Unvorhergesehenes in Bricolagetechnik erzeugt wird, das sich weder im Rahmen eines theoretischen Systems noch als experimentelle Notwendigkeit prognostizieren lässt: unter Bedingungen, die hinreichend stabil sein müssen, um den neuen Phänomenen überhaupt Bedeutungen zuweisen zu können; die aber auch nicht zu stabil sein dürfen, weil sonst gar keine unerwarteten Ereignisse erzeugt würden, die es gestatten, tastend zu neuen «Dingen» und damit Erklärungen vorzustossen.https://www.nzz.ch/article7QZ1S-1.499872

“Um ein Problem zu analysieren, ist der Biologe gezwungen, seine Aufmerksamkeit auf einen Ausschnitt der Realität zu richten, auf ein Stück Wirklichkeit, das er willkürlich aussondert, um gewisse Parameter dieser Wirklichkeit zu definieren. In der Biologie beginnt mithin jede Untersuchung mit der Wahl eines ‹Systems›. Von dieser Wahl hängt der Spielraum ab, in dem sich der Experimentierende bewegen kann, der Charakter der Fragen, die er stellen kann, und sehr oft sogar auch die Art der Antworten, die er geben kann.”https://www.wissenswerkstatt.net/2007/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/

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